THE QUEENS
23/29

Guido Maria Kretschmer über …

… die Mosel, das Angeln und die Liebe zur Kreuzfahrt:
Das erste Mal Schiff gefahren bin ich mit meinen Eltern auf der Mosel. Mein Vater hat uns auf der Fahrt von unserem Urgroßvater erzählt, der 1945 mit der Wilhelm Gustloff untergegangen ist. Als Kinder haben wir gedacht, nun gehen wir unter auf der Mosel … Mein Vater war stellvertretender Präsident des Angelsportvereins, wir haben zusammen sehr oft am Wasser gesessen. Deswegen habe ich mit dem Ele­ment auch eine so enge Verbindung. Als ich das erste Mal – für mein Gefühl – viel Geld verdient hatte, habe ich meinen Eltern eine Kreuzfahrt geschenkt. Die haben sich wahnsinnig gefreut, waren in Venedig und sind dann über Kroatien ins Schwarze Meer nach Jalta. Auch deswegen bin ich relativ eng mit der Kreuzfahrt verbunden.

… die Cunard Line, den Deutschen Fernsehpreis und New York:
Ich war schon einmal auf einem Cunard Schiff eingeladen, aber da haben wir nicht abgelegt. Dieses ist meine erste Cunard Reise. Als ich den Deutschen Fernsehpreis gewonnen habe, hat mich hinterher eine sehr charmante Dame, die Frau Tabarelli von Cunard, im VIP-Bereich angesprochen und gesagt: „Herr Kretschmer, ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Sie an Bord kommen würden. Hätten Sie Lust?“ Und ich habe geantwortet: „Ich liebe Kreuzfahrten. Aber ich habe eigentlich nie Zeit.“ Sie hat dann gefragt: „Wie wäre es mit der New York Pas­sage?“ Und das passte perfekt in meinen Rhythmus, weil ich einmal im Monat in New York zum Arbeiten bin. Eigentlich fliege ich immer. Aber bei einem Fotoshooting unten an der Brooklyn Bridge habe ich mal gesagt, dass ich unbedingt einmal mit dem Schiff in New York einlaufen möchte. So habe ich zu der Einladung am Ende Ja gesagt.

… über Entschleunigung, Ruhe zum Schreiben und Freunde fürs Leben:
Ich bin nicht derjenige, der sich Zeit nimmt. Es ist lange her, dass ich das letzte Mal zehn Tage nicht im Job war. Was mich auf dem Schiff sehr freut, ist, dass man nicht „connected“ ist. Man ist raus aus Raum und Zeit. Und es ist für die Seele sehr schön, wenn man langsam reisen darf. Für diese Reise habe ich mir vorgenommen, am nächsten Buch zu schreiben. Ich schreibe wahnsinnig gern. Und ich bin ambitioniert. Gestern Abend habe ich Freunden und Frank, meinem Mann, schon die ersten vier Geschichten vorgelesen. Und es wäre ein Traum, wenn hier in der Ruhe an Bord Geschichten aus der Vergangenheit in meinen Kopf zurückkommen – und wenn auch ein paar Kreuzfahrergeschichten dabei sind. Ich habe ja mit Kreuzfahrt und Mode sehr viel erlebt. Auch mit tollen Frauen, allein reisenden Frauen. Und meine Theorie ist, dass Freundschaften, die auf dem Wasser entstehen, intensiver werden und länger halten. Das liegt wahrscheinlich an diesem „Wir sitzen alle im selben Boot“-Gefühl. Wir haben jedenfalls viele Freunde auf dem Wasser kennengelernt – und das sind heute noch die besten.

… über die Queen Mary 2, Hamburg und das Auslaufen:
Mein erster Eindruck war: „Oh my god, this ship is really big!“ Und dass, obwohl ich die Queen Mary 2 wirklich schon oft gesehen hatte. Das Schiff ist ja ein Teil der Welt. Ob in New York, in Melbourne, in Hamburg: In den Hot Spots ist immer die Queen Mary 2 da. Sie ist der Inbegriff von großer Welt. Dazu kommt, dass es ein englisches Schiff ist. Die Queen hat immer etwas von royal, glory, britannia.  Ich bin wirklich sehr beeindruckt. Das Auslaufen haben wir mit Blick auf die schönste Hamburg-Seite erlebt – auf die Louis-C.-Jacob-Seite. Das war der Hammer. Ich habe vorher nicht gewusst, dass man so lange aus Hamburg rausfahren kann. Und dazu kommt diese Begeisterung von den Leuten am Rand. Als ich gerade zurück in der Kabine war, sah ich neben uns auf Nullniveau einen Kajakfahrer – und der ist in seiner Nussschale völlig ausgeflippt. Das fand ich toll. Außerdem hatten wir traumhaftes Licht. Und dann stand da auf einmal Marlies Möller. In dem Moment dachte ich: Mehr geht jetzt wirklich nicht!

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