THE QUEENS
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Campingbus und Ocean Liner – viel weiter können die Ideen vom Reisen gar nicht auseinander liegen, oder? Bettina Tietjen schmunzelt. „Ach, das ist gar nicht so unterschiedlich, wie man vielleicht denkt. Immerhin bewegt man sich in beiden Fällen von A nach B, guckt sich unterwegs was an und hat alles dabei, was man braucht.“ Die NDR-Moderatorin genießt jedenfalls offensichtlich ihren zweiten Aufenthalt an Bord der Queen Mary 2, obwohl jeder spätestens seit Erscheinen ihres erfolgreichen Buchs „Tietjen auf Tour“ weiß, dass sie ihren Urlaub am allerliebsten im von ihrem Mann zum Wohnmobil umgebauten Fiat Ducato verbringt. 

Offen und neugierig zu sein, auch mal andere Fragen zu stellen, zuzuhören und dem Gesprächspartner immer auf Augenhöhe zu begegnen – all dies zeichnet Bettina Tietjen aus. „Ich rede einfach gern mit Menschen.“ Sie talkt im Radio, im Fernsehen und auf Veranstaltungen. Seit inzwischen 27 Jahren bittet sie Gäste auf dem „Roten Sofa“ bei „DAS!“ im Vorabendprogramm des NDR-Fernsehens, ihr etwas von sich zu erzählen. Die NDR Talk Show moderiert sie aktuell zusammen mit Jörg Pilawa – eine heitere Runde zum Wochenausklang. „Wir versuchen, dass die Leute auch miteinander ins Gespräch kommen. Das klappt mal besser, mal weniger gut. Manchmal muss man darauf achten, dass nicht einer untergeht. Aber das ist vor allem Erfahrungssache.“ Die Grundlage dafür, dass sie die richtigen, spannenden und bisweilen überraschenden Fragen stellen kann, schafft ihre Redaktion. „Ich bekomme so tolle Dossiers als inhaltliche Grundlage“, erzählt die 60-Jährige. „Es gibt Moderatoren, die lesen eine Karte mit Fragen ab. Dazu gehöre ich nicht, dann würde mir der Job keinen Spaß machen. Ich bekomme zwar Vorschläge von der Redaktion, aber das ändere und ergänze ich munter.“ Die Liste derer, die Bettina Tietjen gern noch in einer ihrer Sendungen begrüßen würde, ist lang. „Franz Beckenbauer zum Beispiel oder Günther Jauch, aber der geht nicht gern in Talkshows. Oder Männer und Frauen, die in der Wirtschaft die Fäden ziehen. Toll wäre, wenn man Leute, die sonst nie in Talkshows sitzen, ein paar Tage begleiten und ganz in Ruhe befragen könnte ... Aber da muss man erst mal jemanden finden, der dazu Lust hat.“

Und dann ist da ja noch der limitierende Faktor Zeit. Nach dem Buch „Unter Tränen gelacht“, in dem sie die Beziehung zu ihrem Vater während dessen Demenzerkrankung schildert, und dem zweiten Werk „Tietjen auf Tour“ kann sich die umtriebige gebürtige Wuppertalerin, die seit Langem in Hamburg lebt und zwei erwachsene Kinder hat, durchaus vorstellen, noch einmal als Autorin tätig zu werden. „Ist zwar viel Arbeit, macht aber auch wahnsinnig viel Spaß. Außerdem bin ich dann etwas flexibler. Im Moment ist es ein echter Akt, sich mal vier Wochen ohne 
Sendetermine freizuschaufeln.“ Solcherlei Freiräume aber hätten Bettina Tietjen und ihr Mann gern für weitere Touren per Wohnmobil. Und vielleicht auch mal wieder für eine Reise mit den Königinnen der Meere? „Warum nicht? Mir gefällt‘s, jeden Tag woanders zu sein und trotzdem die vertraute Umgebung um mich herum zu haben. Und wenn man dann beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen und die Elbe runter oben an Deck steht – das ist wirklich ein fantastisches Erlebnis.“