THE QUEENS
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„Elegant, unvergesslich, legendär“ – wenn Simon Love, Kapitän der Queen Elizabeth, die Vorzüge der jüngsten Cunard Königin beschreibt, gerät er ins Schwärmen. Nach langjähriger Tätigkeit auf den anderen beiden Schiffen der Flotte, der Queen Mary 2 und der Queen Victoria, erreichte seine Karriere 2018 ihren Höhepunkt: Seitdem ist Simon Love der erste Mann auf der Brücke der Queen Elizabeth. Seine oberste Pflicht als Kapitän sieht er darin, die Sicherheit der über 2.000 Passagiere und fast 1.000 Crewmitglieder zu gewährleisten. Seine persönliche Verpflichtung geht weiter: „Meine Gäste sollen das Schiff mit den schönsten Erinnerungen verlassen.“ Bei seinen täglichen Rundgängen an Bord plaudert er gerne mit den Passagieren, die aus 48 unterschiedlichen Nationen stammen. „Die meisten Gäste kennen meine Stimme nur von den Durchsagen. Ich möchte, dass sie auch mein Gesicht kennen“, sagt der 58-Jährige.

Bereits mit 16 Jahren fuhr Simon Love zur See, das Seefahrer-Gen liegt schließlich in der Familie: Schon sein Vater war Kapitän eines Schiffes. Von der väterlichen Laufbahn inspiriert absolvierte er von 1977 an vier Jahre lang eine Kadettenausbildung bei P&O. Von 1980 bis 1989 war er Junior Offizier, zunächst auf Frachtschiffen, danach auf einem Schulschiff. 

Die Sesshaftigkeit kam mit 28 Jahren: Simon Love gründete eine Familie und war 17 Jahre lang bei „Bradford & Sons Ltd.“, einem Traditionsunternehmen für Baumaterialien, tätig. „Dort habe ich mir ein umfangreiches betriebswirtschaftliches Fachwissen angeeignet, das mir heutzutage sehr hilft“, erklärt er. Die Pause von der Seefahrt war lang, die Liebe zu ihr am Ende jedoch stärker. 2010 wurde Simon Love von Cunard berufen und fuhr zunächst – die meiste Zeit als Erster Offizier – auf der Queen Mary 2. Der Ritterschlag erfolgte im Jahr 2018, als er zum Kapitän der Queen Elizabeth ernannt wurde. 

Traditionen kehren im Leben von Simon Love immer wieder. Geboren wurde er nahe Sherborne, einer Kleinstadt in der Grafschaft Dorset im Südwesten Englands, berühmt für ihre Kirchen, Klöster und Schlösser sowie für die Vielfalt an traditionsreichen Schulen. Er selbst besuchte Privatschulen und wurde ganz traditionell von katholischen Priestern erzogen. Das Traditionsbewusstsein hat Kapitän Love wiederum an seinen Sohn Harry weitergegeben: Der wollte eigentlich in seine Fußstapfen treten, doch seine Farbenblindheit verhinderte eine Seediensttauglichkeit. Karriere macht der 22-Jährige trotzdem, und zwar als Berater bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Simon Loves 28-jährige Tochter Madeleine praktiziert als Ärztin in London. „Ich habe sehr viel Glück mit meinen Kindern: mein Sohn kümmert sich um meine Finanzen, meine Tochter um meine Gesundheit“, sagt er.

„Natürlich hat mein Nachname eine gewisse Wirkung“, erklärt Simon Love auf die Frage, ob die Zahl der Eheschließungen an Bord der Queen Elizabeth gestiegen ist, seitdem er das Kommando führt. Regelmäßig schreitet er diesbezüglich zur Tat. Noch häufiger leitet er für Passagiere jedoch romantische Zeremonien zur Erneuerung ihres Eheversprechens. Verliebte wünschen sich den Segen von Captain Love. „Dafür hat ein Paar sogar schon einmal seine Reiseroute geändert“, verrät er. Liebe und Seefahrt gehören für ihn seit jeher zusammen. So hat Simon Love seine Frau Wendy einst an Bord eines Schiffes kennengelernt, mittlerweile sind sie seit 31 Jahren glücklich verheiratet.