CUNARD.STORIES
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100 Jahre Weltreisen mit Cunard

Im Jahr 1923 vollendete die RMS Laconia als erstes Cunard Schiff die erste kontinuierliche Weltumrundung eines Passagierschiffes. Seitdem hat sich viel verändert. Aber die Faszination, die Welt auf dem Seeweg zu entdecken, ist bis heute geblieben.

Weltreisen vor 100 Jahren – als fließend Wasser noch Luxus bedeutete
Am 21. November 1922 titelte The New York Times „VIELE SEGELN HEUTE AUF WELTKREUZFAHRT; Cunard Liner Laconia wird 130 Tage unterwegs sein – 450 Touristen werden die Reise antreten“. Es war der Tag, an dem die RMS Laconia als erstes Schiff der britischen Reederei Cunard Line vom Pier 54, North River, in New York zu einem Abenteuer rund um den Globus aufbrach und damit vor fast 100 Jahren den Grundstein für eine Route legte, die noch heute zu einer der beliebtesten Reiserouten aus dem Portfolio der Reederei zählt. 

Das Besondere an dieser Reise war nicht nur der Zeitpunkt – es handelte sich um die erste Weltumrundung seit dem Ende des 1. Weltkriegs – sondern auch das Dampfschiff selbst beeindruckte Gäste und Zuschauer, die an die Pier geströmt waren, gleichermaßen. Die Laconia galt zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung mit einer Länge von 190,19 Metern, 22,46 Meter Breite und 19.680 BRT als eines der größten Schiffe ihrer Zeit. Zudem verfügte es über fließendes Wasser in den Kabinen, Heizkörper und elektrische Ventilatoren mit „Garantie für Komfort in jedem Klima“, eine Bibliothek, Schreibzimmer, Raucherzimmer, ein Veranda-Café und zwei glasüberdachte Garten-Lounges sowie ein „Tauchbecken“ und einen „Fitnessraum“ an Deck – ein zur damaligen Zeit nie zuvor dagewesener Luxus. Die Werbebroschüre versprach: „Wie der Zauberstab eines Magiers zaubern die Worte Bilder von den wunderbarsten Reiseerlebnissen. Die Unannehmlichkeiten des gewöhnlichen Reisens sind beseitigt. Für die Dauer der Kreuzfahrt wohnt der Reisende in einem palastartigen schwimmenden Heim, während die Welt inne hält.“ Die glücklichen Passagiere, alles wohlhabende Kunden der American Express Gesellschaft, konnten dieses Werbeversprechen vermutlich nur bestätigen, denn sie reisten alle in der Ersten Klasse. American Express hatte das ganze Schiff gechartert, um sicherzustellen, dass die betuchte Klientel der Gesellschaft viel Platz in den Gemeinschaftsräumen, Restaurants und an Deck genießen konnte. So blieben die Kabinen für zusätzliche 350 Gäste in der Zweiten und für 1.500 Passagiere in der Dritten Klasse, über die das Schiff verfügte, vakant.

Für 1.500 US-Dollar pro Person, was einem heutigen Wert von umgerechnet rund 19.900 Euro entspricht, erlebten die Gäste auf der 130-tägigen Weltreise eine Fahrt durch die Karibik, den Panamakanal, den Pazifik und den indischen Ozean, sowie eine Passage des Suezkanals. Auf ihrer Weltumrundung lief die Laconia 22 Häfen an, bevor sie nach einer Atlantiküberquerung am 30. März 1923 nach New York zurückkehrte. Ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm an Bord, das von Bridge-Partys und Vorträgen bis hin zu Konzerten, Tanz- und Gesangseinlagen reichte, sorgte für Zerstreuung an Seetagen. Besonders beliebt bei der illustren Gesellschaft waren die Kostümbälle: elegante Tanzabende ähnlich den Gala-Bällen, die bis heute bei Cunard an Bord gefeiert werden.

Nach zwei weiteren Weltumrundungen und einigen Jahren im Transatlantik-Liniendienst zwischen Liverpool und New York wurde die Laconia 1939 von der britischen Admiralität angefordert, um im Krieg zunächst als Hilfskreuzer und später als Truppentransporter zu dienen. Am 12. September 1942 wurde sie von dem deutschen U-Boot U 156 entdeckt und zerstört; bei dem Anschlag kamen über 1.600 Menschen ums Leben. 

Während das erste Schiff, das unter der Cunard-Flagge die Welt umfuhr, ein trauriges Ende fand, sind die Begeisterung und die Faszination für das ‚Once in a lifetime‘-Erlebnis einer Weltreise ungebrochen: Die jährlich stattfindenden Weltreisen zählen zu den beliebtesten Routen der Reederei und sind häufig in kürzester Zeit, bis zu zwei Jahre vor Abfahrt, ausgebucht. 2023, zur Feier von 100 Jahren Weltreisen mit Cunard, brechen zwei der drei aktuell in Dienst stehenden Schiffe des Unternehmens, die Queen Mary 2und die Queen Victoria, zu Jubiläums-Weltreisen auf und laufen dabei eine Vielzahl von Häfen an, die schon auf der historischen Route der RMS Laconia und ihrem Schwesterschiff, der RMS Samaria, lagen. Die Queen Victoria legt im Januar 2023 in Hamburg zur Fahrt rund um den Globus ab und wird dann, genau wie ihre frühe Vorgängerin, im Laufe ihrer Reise unter anderem in den Häfen von Hongkong, New York, Singapur, Cabo San Lucas, Colombo, San Francisco, Hilo, Honolulu, Manila und Neapel Halt machen. Mit der Queen Mary 2 können Gäste ab Southampton neben Colombo auch Singapur und Hongkong entdecken – genauso wie es einst die Passagiere an Bord der RMS Samaria vor 100 Jahren taten. Darüber hinaus wird die ‚Königin der Meere‘ auch für Übernachtaufenthalte in den Metropolen Dubai, Sydney und Kapstadt anlegen, die Inseln Aruba und Tonga besuchen und den Panamakanal passieren.

Damals wie heute wird diese besondere Reise an Bord ausgiebig zelebriert: In Anlehnung an die erste Weltreise der Laconia erwartet Gäste ein besonderes Rahmenprogramm mit exklusiven Veranstaltungen anlässlich des 100. Jubiläums, sowie Entertainment- und Kulinarik-Angebote, die die besuchten Regionen widerspiegeln.

Während sich die Gesamtreisedauer mittlerweile etwas verkürzt hat – anstatt 130 Tage werden die beiden Schiffe auf den Weltreisen 2023 „nur“ zwischen 102 und 105 Tagen unterwegs sein – ist der Komfort an Bord ungleich gestiegen. Fließendes Wasser ist längst keine Besonderheit oder gar Luxus mehr. „Klassen“ und dazugehörigen Bereiche, die je nach Kaufkraft nur bestimmten Gästen zugänglich sind, gibt es heute nicht mehr an Bord der Cunard Queens, man unterscheidet lediglich zwischen den verschiedenen Kabinen- und Suitenkategorien. Einiges ist über die vielen Jahre jedoch erhalten geblieben: So darf die Queen Mary 2 den Titel als das Schiff mit der größten, über 10.000 Bücher umfassenden, schwimmenden Bibliothek für sich beanspruchen. Und eine Sache, die sich kein Gast an Bord entgehen lässt – damals wie heute – ist der „Afternoon Tea“, bei dem an jedem Nachmittag um 15.30 Uhr im Ballsaal des Schiffes feiner englischer Tee mit Scones und Sandwiches serviert wird. Einige Traditionen sollte man eben bewahren!