CUNARD.STORIES
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Unendliche Weiten ...

Was man in zehn Tagen nicht alles erleben kann ... Wenn man Prof. Dr. Ulrich Walter heißt, kann man in dieser Zeit 160-mal um die Erde kreisen. Oder ebenso lange brauchen, um von Hamburg nach New York zu reisen. An Bord der Queen Mary 2 trafen wir den sympathischen Astronauten und sprachen mit ihm über ein besonderes Weihnachtsfest, die Farben der Kontinente und den richtigen Termin für eine Expedition zum Mars.

Bei Familie Walter verlief Heiligabend 1985 wie in vielen Familien in Deutschland: Man hatte gut gegessen, sich über das eine oder andere Präsent gefreut, nun lief im Fernsehen die Tagesschau. „Da berichtete Sprecher Karl-Heinz Köpcke, dass Wissenschaftsminister Heinz Riesenhuber Kandidaten für die zweite Deutsche Spacelab-Mission D-2 sucht“, erzählt Ulrich Walter. „Diese Nachrichtenmeldung war wie eine Initialzündung“, erinnert sich der damals 31-jährige Experimentalphysiker noch ganz genau. Und ebenso, wie er seine Frau fragte: „Mäuschen, was meinst du, soll ich Astronaut werden?“

Mehr als sieben Jahre später, am 26. April 1993, hob die Columbia mit ihm und seinem Team ab. Danach baute er eine deutsche Zentrale für Satellitenbilder auf, arbeitete für IBM und leitet seit März 2003 den Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München. Der herausragende Berichterstatter hat diverse Bücher veröffentlicht und schreibt regelmäßig Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften. Und er ist gern gesehener, hochgebildeter und zugleich humorvoller Gast in Talkshows – auch im Herbst 2019 im Royal Court Theatre auf der Queen Mary 2 im Gespräch mit Bettina Tietjen.


„Einfach super!“, lautet kurz und knapp die Antwort auf die Frage, wie es da oben im All denn nun so sei, und Ulrich Walter strahlt dabei eine Freude aus, als sei er gerade erst wieder ausgestiegen aus dem so besonderen Vehikel, das sieben Menschen in 300 Kilometern Entfernung von der Erde auf die Umlaufbahn schickte. „Die ganzen Auswahlverfahren, jahrelanges Training nur für die Mission, Startabbrüche – und dann kommen diese zehn Tage im All, die sind wie die Schlagsahne auf der Obsttorte!“ Viel Muße, um diese „Sahne“ zu genießen, hatte Ulrich Walter angesichts eines straffen Aufgabenplans allerdings nicht. „Es blieb nicht viel Zeit, um aus dem Fenster zu schauen“, berichtet der Astronaut. „Eigentlich ging das nur zu den Essenszeiten.“ Reisende auf der Queen Mary 2 kennen das Gefühl, wenn man an Deck stehend der Weite der Ozeane gewahr wird. So ähnlich ist es Ulrich Walter aus anderer Perspektive auch ergangen: „Sie schauen auf unseren Planeten und sehen zwei Drittel Wasser, absolut faszinierend! Und jeder Kontinent hat eine charakteristische Farbe. Südamerika zum Beispiel sieht von da oben grün aus, Afrika braun, Australien rot – nur Europa ist mit seinem Grau-Grün nicht so ein doller Anblick“, erzählt der Weitgereiste schmunzelnd. Philosophische Gedanken seien ihm erst nach der Mission gekommen. „Wir haben das Privileg, in einer Zeit zu leben, wo wir Erkenntnisse gewonnen haben, die ewig bestehen“, ist er überzeugt. 

Würde man ihn fragen, wäre er sofort wieder bei einer Mission ins All dabei. „Aber ich habe altersmäßig eine Grenze erreicht. Die Europäer schicken ihre Leute nicht aus Lust und Laune da hoch.“ Also reist er lieber aus Lust und Laune auf anderen Wegen – wie mit der Queen Mary 2 nach New York. Das Ehepaar Walter genießt seine erste große Seereise sehr: „Solch ein luxuriöses Schiff! Wir fühlen uns hier sehr wohl und sind erstaunt, was man auch nach stundenlangem Herumlaufen noch Neues entdecken kann. Und nicht zu vergessen: Hier ist erheblich mehr Platz als im Space Shuttle!“