Man kann sie beinahe vor sich sehen: Zwei kleine Zwillingsbrüder, fünf oder sechs Jahre alt vielleicht, die kurz vor Weihnachten vor lauter Aufregung nicht mehr stillsitzen können, die ihre Mama mit Fragen löchern, stets im Doppelpack allerlei Schabernack treiben und die sich voller Vorfreude und Fantasie ausmalen, was das Christkind ihnen wohl endlich bringen mag.
Klein sind die beiden 40-Jährigen zwar wahrlich nicht, und einigermaßen stillsitzen können sie auch, wenn es denn sein muss. Doch das Funkeln in ihren Augen, das schelmische Lachen, die Verwendung von Ausdrücken wie „amazing“, „breathtaking“, „exciting“ und „fabulous“ – all dies verrät, dass Nicholas und Mark Oldroyd sich, wie damals auf Weihnachten, heute einfach unbändig auf die Umsetzung ihres Genusskonzepts an Bord der Queen Mary 2 freuen. Nicholas ist der Hausherr im kulinarischen Reich an Bord der Königin. Seinen 17 Minuten jüngeren Bruder Mark sieht er normalerweise bei Weitem nicht mehr so oft wie früher, als die beiden quasi Hand in Hand die ersten Schritte ihrer beeindruckenden Karriere gingen, in der französischen Sterneküche Erfahrungen sammelten und zunächst ab 1999 Seite an Seite auf der damaligen Queen Elizabeth 2 kochten. Das ist längst Vergangenheit: Mark ist inzwischen Küchenchef auf der neuen Queen Elizabeth. Umso glücklicher ist Nicholas, ihn zum Umbau der Restaurantbereiche und zur Einführung komplett neuer Menüpläne an seiner Seite zu wissen: „Es ist eine enorme Erleichterung, meinen Bruder jetzt hier zu haben; der Job wird dadurch um ein Vielfaches einfacher.“
Und der Job ist so schon anspruchsvoll genug: In allen Restaurants steht eine umfassende Renovierung an, es gibt nagelneues Geschirr, mehr Showküche im Buffetrestaurant Kings Court, so manches neue Gerät in der Küche, und natürlich sind auch die Menüs selbst ganz und gar neu durchkomponiert. Nicholas und Mark Oldroyd, die – ihre nordenglische Herkunft ist unüberhörbar – aus der Grafschaft Yorkshire stammen, haben in den vergangenen Monaten in der Cunard Experimentierküche in Southampton intensiv an den neuen Gaumenfreuden gearbeitet. Sie sind von den Ergebnissen überzeugt: „Die Testphase lief super, wir setzen viel auf saisonale Zutaten, und dann ist da ja nicht nur das neue Essen, sondern auch das neue Ambiente, stylish und zugleich sehr edel“, schwärmt Mark. „Dieses Schiff verdient ein königliches Interieur“, pflichtet Nicholas ihm bei. „Dass alles brandneu wird, ist so fantastisch, das wird wirklich eine legendäre Erfahrung.“ Steht ihnen das komplette Umkrempeln gewohnter Abläufe und Handgriffe im ambitionierten Zeitplan bevor? „Das ist zwar eine Herausforderung, aber alles erreichbar“, sagt Nicholas, und obwohl (oder vielleicht gerade weil) er in seinem Beruf eigentlich immer unter Strom steht, klingt er ganz entspannt. Inzwischen wissen wir: Alles hat hervorragend geklappt, die neuen Restaurants mit ihrem feinen kulinarischen Angebot an Bord kommen richtig gut an.
Den Oldroyd-Brüdern brennt es unter den Nägeln, noch über ein paar weitere Highlights zu plaudern – die Stichworte fliegen zwischen den beiden nur so hin und her, in diesem Tempo Notizen zu machen, ist fast unmöglich. „Wir haben künftig hier auf der Queen Mary 2 sogar eine eigene Räucherei“, schwärmt der eine. „Unser neues Kräuter-Gewächshaus müsst ihr euch unbedingt gleich noch anschauen“, wirft der andere ein. Für jederzeit frisches Grün auch mitten auf dem Atlantik lässt sich der mobile Kräutergarten über WiFi steuern. „Wir werden an Bord also jetzt auch noch Farmer“, erzählt Nicholas, der 200 Mitarbeitern am Herd und im Service vorsteht, schmunzelnd.
Und noch ein Thema, das ein besonderes Strahlen in die Gesichter der Twins zaubert: Der belgische Chocolatier Godiva mit der Chocolate Bar an Bord. „Dort gibt es Kaffeespezialitäten, Desserts, Eiscreme und natürlich köstliche Godiva-Pralinen“, sagt Nicholas, der begeistert ist, diese berühmte Marke nun mit dabei zu haben. Und wie aus einem Mund erfahren wir von den beiden, was wir ihnen sofort glauben: „Das wird einer unserer Lieblingsplätze sein – wir lieben Schokolade!“