CUNARD.STORIES
24/27

Zum Sterben schön!

Die Spannung steigt – wie wird er sein? Wie ist einer, der über Augensammler, Kindermörder und Psychopathen schreibt? Wie ist es, morgens um elf, umgeben vom himmlischen Komfort der Queen Mary 2, hinabzusteigen in die albtraumhafte Hölle, die Sebastian Fitzek seinen Lesern bereitet? Sebastian Fitzek erweist sich im Royal Court Theatre als ein charmanter Plauderer, der sein Publikum trotz gelegentlicher Zweifel an seiner psychischen Verfasstheit immer auf seiner Seite hat.

Licht aus – Spot an. Man ist gekommen, um sich zu gruseln. Oder doch lieber nicht? Der Tag hat so schön angefangen. Ausgiebiges Frühstück im Britannia, dann aufs Sonnendeck – herrlich! Und jetzt so was Schlimmes hören? Keine Sorge: Sebastian Fitzek trifft immer den richtigen Ton. Spannend ist es schon, was er vorliest, aber zwischendurch lockert er sein Publikum gekonnt auf. Fitzek erzählt humorvoll von sich und seinem Werk, während er aus seinen Büchern liest, in denen er die Protagonisten grausamen Qualen aussetzt. Das ergibt einen paradox anmutenden, aber mitreißenden Mix. Fitzeks Lebensmotto: „Nimm das, was du tust, ernst, aber dich selbst nicht so wichtig.“

An diesem Mann ist alles sympathisch. Sein Äußeres und seine Art, mit dem Publikum in Dialog zu treten. Warum bloß schreibt er diese irren Bücher? Die Ideen dazu kommen ihm im Alltag, erzählt er. Während er zum Beispiel im Wartezimmer des Arztes stundenlang auf die Tür starrt und sich wundert, warum die Freundin, die er dorthin begleitet hat, immer noch da drin ist. „Ich habe gedacht: Was, wenn sie nie mehr herauskäme? Was, wenn alle sagten, sie sei überhaupt niemals reingegangen?“ Das war 2006 die Initialzündung zu Die Therapie, seinem Erstling. Nach dreizehn Absagen und dreimaligem Umschreiben erschien er im Droemer Verlag, die Filmrechte wurden sofort erworben und er wurde für den Friedrich-Glauser-Preis für das beste Krimi-Debüt nominiert.

Von Anfang an interessiert sich Fitzek mehr für die Opfer als für die Täter. „Massenmörder sind oft gänzlich motivlos, sagt mein Freund und Kollege Chris Carter. Er hat als forensischer Psychologe sechs Jahre in den USA für die Polizei gearbeitet, bevor er Thriller schrieb. Was die Opfer erleben, ist spannend.“ 

Bei der anschließenden Autogrammstunde wird er von einer Leserin skeptisch gefragt: „Ihre Frau sagt Ihnen aber nicht etwa, Du wirst von Buch zu Buch merkwürdiger‘, oder?“ Alle lachen, am meisten Fitzek. Es scheint also auch anderen rätselhaft, wie dieser nette Junge zu Titeln wie Der Seelenbrecher, Amokspiel oder Die Blutschule kommt. Dass er trotzdem die Herzen seiner Leser und vor allem Leserinnen gewinnt, ist glasklar. Eine andere Leserin hat „erst“ drei Thriller gelesen, ist aber begeistert. Sie lässt sich eine Widmung ins Buch schreiben, für Mirko. Fitzek will wissen, wer das sei. „Ein Freund der Familie“, sagt die Dame. „Ah – kein Feind der Familie!“ Fitzek grinst, wieder fröhliches Gelächter in der Runde. Wie es ihr an Bord gefalle, fragt Fitzek, sein Interesse ist echt. Der Autor selbst schwärmt von der Queen Mary 2, von der Großzügigkeit, der Weite. Die Leserin kommt auf das Thema Bücher zurück: „Ihre Krimis sind toll, aber Ihr bestes Buch ist Fische, die auf Bäume klettern. Ich habe es für meinen Enkel gekauft. Da kann ein Kind viel mitnehmen, ein Erwachsener auch.“ Genauso hat Fitzek es gemeint, als ein Buch über Werte und die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Die Idee dahinter: „Was würde ich meinen Kindern heute sagen wollen, wenn ich morgen nicht mehr da wäre?“ Für ihn sind Bücher Reisen in ferne Welten. Das ist etwas, das er auch seinen Kindern gern vermitteln möchte.

Lesen Sie hier weiter ...